John Kummer – ein Portrait

Publiziert am 31.12.2009 in der Rubrik: Medienspiegel 2008

Die Neue Zuger Zeitung hat den Autoren des Mutmacher-Buches ‘Depression – was nun’, John Kummer, in einem Portrait am 30. April 2008 vorgestellt.

Die Krankheit ist heute sein Hobby

John P. Kummer weiss ganz genau, was eine Depression für die Betroffenen bedeutet. In einem Buch gibt er Tipps – und macht Mut.

VON MONIKA WEGMANN

Über das Thema Depression gibt es bereits zahlreiche Bücher. Ein Fachbuch war aber nicht das Ziel, das John P. Kummer vorschwebte, als er vor drei Jahren von Fritz Kamer zu einem Buch angeregt wurde: «Das Thema sollte auch für Laien leicht fassbar sein. Ich hätte nie gedacht, dass das Werk fertig wird», sagt John P. Kummer und lächelt. Die Autorengemeinschaft hat ihren Grund: John P. Kummer ist ein Betroffener und Fritz Kamer der Vater eines depressiven Sohnes.

Jetzt liegt das 168-seitige Taschenbuch «Depression! Was tun?» vor ihm auf dem Tisch. Die grüne Farbe des Einbandes unterstreicht das Ziel der beiden Autoren: Mut zu machen und Betroffenen und Angehörigen Tipps zu vermitteln. In dem Buch kann man sich in 90 kurzen Abschnitten schnell über Alarmsignale, Therapien, Selbsthilfegruppen und vieles mehr informieren.

Engagiert aus Überzeugung
Der Unterägerer John P. Kummer hat sich mit seiner Krankheit, die bei ihm vor rund 50 Jahren diagnostiziert worden war, intensiv auseinandergesetzt. Ihm ist es gelungen, sich aus eigener Kraft von der schweren Depression zu befreien. «Seit 1993 nehme ich keine Tabletten mehr», sagt der heute 82-Jährige stolz. So gründete er die erste Zuger Selbsthilfegruppe und den Verein Equilibrium und widmet sich Projekten, welche die Gesellschaft auf die psychischen Krankheiten aufmerksam machen. «Das ist für mich ein Hobby oder fast eine Berufung geworden.» Das wissenschaftlich begleitete Buch mit einer Auflage von 2000 Stück ist eine logische Folge seiner Aktivitäten. Und verdienen wird er daran kaum etwas.

John P. Kummer ist überzeugt, dass jeder eine Depression erleiden kann. Auch wenn gewisse Anfälligkeiten genetisch bedingt sein können, würden in Krisenzeiten die Fälle tendenziell zunehmen. Dies hänge beispielsweise mit Arbeitslosigkeit oder Problemen in Firmen und Beziehungen zusammen. Oft werde versucht, eine psychische Erkrankung zu verdrängen, man schotte sich ab, werde süchtig oder begehe zuletzt sogar Suizid. «Männer wollen ihre Erkrankung oft nicht wahrhaben.»

Die Gesellschaft begegne den Depressiven vielfach mit Unverständnis. Da die psychischen Krankheiten für die Wirtschaft einen immensen Schaden bewirkten, findet Kummer ausserdem: «Wirtschaft und Arbeitgeber müssen mehr unternehmen und ein Klima schaffen, das die Risikofaktoren für Erkrankungen minimiert. Man sollte zudem die Kranken anders behandeln und sie ihren Fähigkeiten entsprechend einsetzen.»

Aufklärung wichtig
«Rund 5 Prozent der Bevölkerung sind depressiv, das zeigen Forschungsergebnisse», gibt Kummer zu bedenken. Deshalb ist es ihm wichtig, die Leute über die gesundheitlichen Gefahren zu informieren. Ihm schweben breite Medienkampagnen vor. Das einzige Problem sei hier allerdings die Finanzierung. Er hofft nun auf das Gesetz zur Prävention und Förderung der Gesundheit, das in Vorbereitung ist. «Dann könnte der Bund tätig werden.» Bis dahin werden nach seiner Einschätzung noch zwei bis drei Jahre vergehen.

Der Umgang mit Stress ist für Kummer ein wichtiger Punkt: «In der Freizeit soll man abschalten und sich sportlich betätigen.» Und er findet generell fürs Leben: «Die Hoffnung darf nicht verloren gehen.»

Hinweis: John P. Kummer/Fritz Kamer: Depression! Was tun? 2009. Das Buch ist erhältlich im Buchhandel, beim Verlag Espera, Unterägeri, oder bei Consol Office, Zug: 22 Franken.