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Ängste und Phobien

Viele Angststörungen sind nicht auf die Psyche beschränkt, sie äussern sich auch körperlich.

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ZAHLEN UND FAKTEN

  • Verbreitung: 3,5 Millionen Deutsche leiden unter Angsterkrankungen (sieben Prozent der Bevölkerung)
  • Ängste können in jedem Alter auftreten und sind unabhängig von Einkommen oder Bildungsstatus
  • Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer
  • die drei wichtigsten Formen: Panikstörung, generalisierte Angststörung, soziale Phobie

URSACHEN/RISIKEN

  • Fehlsteuerung von Hirnregionen und Botenstoffen, die bei der Regulation von Ängsten eine zentrale Rolle spielen
  • teilweise genetisch bedingt; bei Verwandten ersten Grades etwa dreifach erhöhtes Risiko, ebenfalls zu erkranken
  • weitere wichtige Risikofaktoren: belastende Lebensereignisse wie Verlust- und Trennungserfahrungen (Scheidung, Tod), Gewalt und Missbrauchserfahrungen, körperliche Krankheiten
  • auch Lernprozesse sind bedeutsam für die Entwicklung von spezifischen Ängsten. Wenn erste Angsterfahrungen z.B. in einem engen Raum gemacht wurden, könnte später die Fahrt in einem Fahrstuhl eine Panikattacke auslösen.

SYMPTOME
Generell
Auftreten von ausgeprägten Angstgefühlen in bestimmten Situationen, obwohl keine Bedrohung vorliegt – begleitet meist von starken körperlichen Reaktionen wie etwa Herzrasen und Schwindel – Einschränkungen des Alltags, um die unangenehmen, angst- auslösenden Situationen zu vermeiden: Rückzug aus dem Berufsleben, sozialen Beziehungen, der Partnerschaft – in der Folge häufig zusätzliche Begleiterkrankungen wie Depressionen (bei 35 Prozent der Betroffenen), Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit (30 Prozent)

Bedingungen für die Diagnose Angststörung: besonders ausgeprägte Symptome, deutliche Einschränkungen in wichtigen Lebensbereichen, Anhalten der Ängste über einen bestimmten Zeitraum (vier Wochen etwa bei der Panikstörung)

Panikstörung
anfallsartige Angstattacken, die entweder unerwartet auftreten oder in bestimmten Situationen, etwa in engen Räumen oder auf weiten Plätzen. Wenn Menschenansammlungen der Auslöser sind, spricht man zusätzlich von einer Agoraphobie – körperlich äussern sich die Attacken in Atemnot, Schwindel, Übelkeit, Herzklopfen bis Herzrasen, Hitzewallungen, Kribbeln der Haut – psychisch: Erstickungsgefühl; Unwirklichkeitsgefühl; Angst, in Ohnmacht zu fallen; Angst zu sterben; Angst, die Kontrolle zu verlieren – Entwickeln von Erwartungsängsten vor neuen Panikattacken, in der Folge Vermeiden von angstauslösender Umgebung wie Strassenbahn oder Fahrstühlen. Bei besonders ausgeprägten Erkrankungen kann es vorkommen, dass Betroffene die eigene Wohnung nicht mehr verlassen – Angstspirale: Körperliche Beschwerden, die an Panikattacken erinnern, werden fehlinterpretiert und lösen neue Ängste aus

Generalisierte Angststörung
über Wochen oder Monate auftretende Sorgen, die täglich mehrere Stunden andauern können – die Ängste sind nicht an bestimmte Situationen gebunden. Sie können sich auf alle möglichen Bereiche beziehen, zum Beispiel Familie, Gesundheit, Finanzen, Arbeit – Probleme werden als nicht kontrollierbar erlebt, eigene Fähigkeiten unterschätzt, Lösungsansätze vermieden – auch körperliche Symptome wie Schwitzen, Einschlaf- und Konzentrationsstörungen

soziale Phobien
Kernsymptom: Angst vor negativer Beurteilung und Bewertung durch andere – Befürchtung, sich in sozialen Situationen zu blamieren oder falsch zu verhalten – dementsprechend wird gemieden: im Mittelpunkt stehen, Fremde ansprechen, zu Partys und Verabredungen gehen – auch hier körperliche Begleiterscheinungen wie Harndrang, Herzklopfen, Hitzewallungen

spezifische Phobien
intensive Angstreaktionen vor umschriebenen Objekten oder Situationen, die vermieden wer- den können. Besonders häufig: Tiere (Spinnen), Höhen, Wasser, Blut

THERAPIE

  • vor jeder Behandlung ist eine ausführliche Diagnostik notwendig. So können etwa einige körperliche Erkrankungen eine Angststörung imitieren, darunter Schilddrüsenüberfunktion und Herzrhythmusstörungen
  • am Anfang jeder Behandlung sollte eine ausführliche Aufklärung durch den Arzt über Symptome, Ursachen und die Behandlung stehen
  • Standardbehandlung bei Angststörungen ist kognitive Verhaltenstherapie. Dabei wird der Patient wiederholt mit der angstauslösenden Situation konfrontiert: Ein Patient mit Angst vor Menschenmengen etwa begibt sich in Begleitung seines Therapeuten in zunehmend grössere Personengruppen. So soll das Vermeidungs- verhalten heruntergeschraubt und eigene Handlungskompetenz aufgebaut werden. Und es wird erlernt, dass negative Folgen bei Konfrontation mit angstauslösenden Faktoren ausbleiben
  • der Patient setzt sich im Laufe der Therapie bewusst mit den Mechanismen seiner Erkrankung auseinander
  • Medikamente: nachweisliche Behandlungserfolge unter anderem mit Antidepressiva. Keine ausreichenden Belege für die Wirkung von Neuroleptika, Betablockern, Johanniskraut, Baldrian, homöopathischen Medikamenten
  • in der Regel beschränkt sich die Behandlung auf eine Methode: entweder Medikamente oder Verhaltenstherapie. Es gibt jedoch auch Hinweise darauf, dass eine Kombinationstherapie sinnvoll sein könnte
  • auch körperliches Ausdauertraining kann (ergänzend) die Angststörung bessern
  • autogenes Training und Biofeedback: bisher keine Wirksamkeitsnachweise

HEILUNGSCHANCEN

  • jede fünfte Angststörung bildet sich unbehandelt zurück
  • bessere Chancen bei Behandlung: 30 Prozent der Fälle lassen sich fast vollständig heilen, 50 Prozent bessern sich zeitweise, 20 Prozent bleiben bestehen
  • geringere Rückfallraten bei Psychotherapie als bei medikamentöser Behandlung

Autor: Christian Heinrich; Experte: Prof. Andreas Meyer-Lindenberg