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Chronische Schmerzen

Medikamente allein helfen Menschen mit chronischen Schmerzen meist nicht.

Beratung in Zug
Ärzte in Zug im Verzeichnis von doktor.ch oder im Ärzteverzeichnis der FMH
Übersicht der Beratungsstellen in Zug

ZAHLEN UND FAKTEN

  • bis zu 15 Millionen Deutsche leiden unter chronischen Schmerzen, etwa fünf Millionen von ihnen sind stark beeinträchtigt, ihr Schmerz hat sich verselbstständigt
  • chronischer Schmerz besteht länger als drei bis sechs Monate, hat seine Warnfunktion verloren und führt zu körperlichen, psychischen und sozialen Beeinträchtigungen
  • Schmerz wird erst dann bewusst empfunden, wenn der auslösende Reiz, der über die Nervenbahnen zum Rückenmark rast, ins Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet wird
  • Rücken- und Kopfschmerzen werden am häufigsten chronisch: Unter Rückenschmerzen leiden bis zu 40 Prozent aller Deutschen, zehn Prozent von
  • ihnen sind dauerhaft beeinträchtigt, fünf Prozent haben besonders problematische Krankheitsverläufe
  • Schmerzpatienten sind schlecht versorgt: Im Mittel vergehen zehn Jahre, bis sie eine adäquate Behandlung bekommen. Ein Grund ist der Mangel an Schmerzspezialisten
  • Frauen leiden häufiger unter chronischen Schmerzen als Männer. Sie haben eine niedrigere Schmerzschwelle und geringere Schmerztoleranz

URSACHEN/RISIKEN

  • wenn akute Schmerzen nicht ausreichend behandelt werden, brennen sich wiederholte oder ständige Schmerzreize förmlich ins Nervensystem ein. Es hat den Schmerz gelernt und im Gedächtnis verankert, ähnlich
  • wie ständig wiederholte Gedichte. Mediziner sprechen daher auch von einem Schmerzgedächtnis
  • Schmerz wird im Gehirn mit dem Gefühl Angst verknüpft. Diese unangenehme Erfahrung steigert den Lernvorgang des Nervensystems
  • ständige Schmerzreize verändern Regionen im Gehirn, die Schmerzen verarbeiten, und machen das Nervensystem überempfindlich. Dadurch reagiert es schon auf harmlose Reize wie Berührung mit Schmerzsignalen
  • beim sogenannten Phantomschmerz, etwa nach einer Beinamputation, erzeugt das veränderte Gehirn sogar ganz von sich aus Schmerzen, ohne dass der Körper Reize sendet
  • Risikofaktoren, die dazu beitragen können, dass Schmerzen chronisch werden, sind – Angst und Depression in der Vorgeschichte – soziale Probleme, etwa durch Beruf oder finanzielle Schwierigkeiten – ebenfalls erkrankte Angehörige in der Familie – unzureichende Behandlung von akutem Schmerz – falsches Schonverhalten – sozialer Rückzug

CHARAKTERISTIKA VON CHRONISCHEN SCHMERZEN

  • der Schmerz wird zum ständigen Begleiter, hat sich verselbstständigt, tritt also unabhängig von der ursprünglichen, auslösenden Ursache auf
  • die Angst vor Schmerzen wird übermächtig, beginnt das Leben zu dominieren
  • Situationen, die den Schmerz einmal ausgelöst haben, werden vermieden
  • oft werden körperliche und soziale Aktivitäten eingeschränkt, bis hin zum völligen sozialen Rückzug, das wiederum fördert Schmerzen etwa durch Schonhaltungen oder Depression
  • schwere körperliche, psychische und soziale Beeinträchtigungen im Alltag
  • häufig chronisch werden Schmerzformen wie Kopf-, Rücken-, Tumor- und Phantomschmerzen sowie Gelenkschmerzen bei Rheuma oder Arthrose

DIAGNOSTIK

  • ärztliches Gespräch, körperliche, psychologische und neurologische Untersuchung zur Abklärung der Beschwerdeursachen
  • Schmerzfragebögen, ggf. Führen eine Schmerztagebuchs
  • Messung der Schmerzstärke anhand einer Intensitätsskala
  • Blutuntersuchungen
  • ggf. bildgebende Verfahren, etwa eine Computertomografie, zum Ausschluss organischer Ursachen
  • je nach vorliegender Schmerzform ggf. spezielle diagnostische Verfahren

THERAPIE

  • muss an die jeweilige Schmerzform angepasst werden
  • wichtig ist die Kombination aus mehreren Therapieansätzen, vor allem aus Medikamenten, Psychotherapie und Bewegungstherapie

Medikamente
Schmerzmittel bilden die Grundlage für Therapiemassnahmen, reichen allein aber nicht aus, um chronische Schmerzen langfristig zu verringern. Die Schmerzmittelbehandlung erfolgt nach dem Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation: vom einfachen Schmerzmittel, etwa ASS, bis hin zu starken opioidhaltigen Schmerzmitteln, den Abkömmlingen des Morphins. Andere Medikamente, zum Beispiel gegen Depressionen, können je nach Schmerzform sinnvoll sein.

Psychotherapie, vor allem die Verhaltenstherapie
Das Gehirn kann lernen, einen chronischen Schmerz zu verändern, zu kontrollieren und vielleicht sogar zu vergessen. Unangenehme Erfahrungen und Inhalte des Schmerzgedächtnisses werden dabei durch neue, gesunde Verhaltensmuster ersetzt, also gewissermassen überschrieben. Dabei lernt der Patient, Ängste vor vermeintlich schmerzauslösenden körperlichen und sozialen Aktivitäten abzubauen, sein Schmerzempfinden zu kontrollieren durch Techniken der Ablenkung, Vorstellung oder Entspannung, Stress zu bewältigen und Probleme zu lösen – wieder schöne Aktivitäten zu unternehmen und zu geniessen, schmerzverstärkendes Verhalten wie Rückzug oder Schonung zu vermeiden. Ziele der Therapie: die Schmerzintensität verringern, die Einnahme von Schmerzmedikamenten reduzieren, die Lebensqualität verbessern.

  • Bewegungstherapie: Krankengymnastik fördert den Aufbau von Muskeln, verbessert die Körperhaltung und hilft den Patienten, wieder aktiv zu werden. Zusätzlich mehr Bewegung, die der individuellen Schmerzform angepasst sein muss und Spass machen soll, etwa Schwimmen, Radfahren oder Walking
  • andere Massnahmen, zum Beispiel Akupunktur
  • wichtig bei der Therapie ist Geduld, es dauert, bis das überaktive Nervensystem gedämpft und das Schmerzgedächtnis überschrieben ist

HEILUNGSCHANCEN

  • Heilung ist kaum möglich
  • bei bis zu 95 Prozent der Patienten lässt sich aber durch
  • eine adäquate Behandlung eine deutliche Linderung der Schmerzen erzielen
  • besonders wichtig ist daher die Vorbeugung, also einen akuten Schmerz frühzeitig und konsequent zu behandeln, damit die Beschwerden gar nicht erst chronisch werden

Autorin: Ragnhild Schweitzer; Experte: Dr. Martin Diers