Suche
  • Aktuelle Informationen für
  • die Zuger Bevölkerung
Suche Menü

Depression

Obwohl es bei dem Leiden häufig symptomfreie Episoden gibt, sollte es durchgehend behandelt werden.

Beratung in Zug
Notfallhilfe in Zug
Liste der Fachärzte und Fachärztinnen für Psychiatrie und Psychotherapie in Zug
Verzeichnis der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Zug
Ambulante Psychiatrische Dienste in Zug
Übersicht der Beratungsstellen in Zug

ZAHLEN UND FAKTEN
Etwa vier Millionen Deutsche leiden an Depressionen, die Erkrankung tritt in allen Altersschichten auf. Einige Betroffene haben nur eine einmalige depressive Episode, bei der Mehrzahl aber besteht ein Rückfallrisiko.

Depression ist ausführlich erforscht und klassifiziert, heute unterscheiden Mediziner zwischen leichten, mittelgradigen und schweren depressiven Episoden sowie schweren Episoden mit psychotischen Symptomen. Eine besondere Variante ist die sogenannte bipolare Störung. Hier wechseln sich depressive Phasen ab mit manischen Episoden, in denen fast die gegenteiligen Symptome auftreten wie gesteigerter Antrieb und gehobene Stimmung.

URSACHEN/RISIKEN
Vielfältige Faktoren, die in Kombination zur Depression führen können. >Genetische Disposition erwiesen; die Veranlagung zu Depressionen ist erblich. Vermutet wird ein teilweise gestörter Stoffwechsel im Gehirn. Die Konzentration von Botenstoffen wie Stresshormonen ist zu hoch oder zu niedrig; ausserdem lösen sie falsche oder andersartige Reaktionen aus.

Als Auslöser bei prädestinierten Personen wirken häufig belastende Lebenssituationen wie Trennung vom Lebenspartner, Verlust von nahestehenden Personen, Stress im Beruf und soziale Probleme. Auch körperliche traumatische Erlebnisse können zu Depressionen führen.

SYMPTOME
In der Regel treten die Beschwerden episodisch auf: Sie kommen, bleiben eine gewisse Zeit und verschwinden vorübergehend, um später wieder aufzutauchen. Noch normal sind kurze Verstimmungszustände, die weniger als zwei Wochen andauern, oder auch Trauerreaktionen.

Depressionen beginnen ebenfalls mit Verstimmungen, dazu kommen Niedergeschlagenheit, fehlender Antrieb, Störung von Konzentration und Gedächtnis, pessimistisches Denken, Grübeln, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Mattigkeit, allgemeine körperliche Abgeschlagenheit.

Die Symptome weiten sich aus zu Interessenverlust, Gedächtnisverlust, sozialem Rückzug bis hin zu Suizidgedanken. Körperlich können Depressionen nach einiger Zeit zu Gewichtsverlust, Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung und Durchfall sowie Störungen des Herz-Kreislauf-Systems führen. Hinzu kommen diffuse Körper- und Kopfschmerzen, Druckgefühl in Hals und Brust, Atemprobleme, Schwindel und sexuelle Funktionsstörungen bis hin zu Libidoverlust, Impotenz, Ausbleiben der Menstruation.

THERAPIE
Eine akute Depression ist immer behandlungsbedürftig. In der Regel werden während einer depressiven Episode Medikamente gegeben. Die Wirkung von solchen Antidepressiva ist nachgewiesen. Als Arzneimittel der Wahl gelten heute sogenannte selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI). Auch wegen der geringeren Nebenwirkungen haben sie Anfang der neunziger Jahre die bis dahin vornehmlich verschriebenen sogenannten Trizyklischen Antidepressiva abgelöst. SSRI wirken ab einer Einnahmedauer von zwei bis drei Wochen.

Psychotherapieverfahren kommen sowohl bei akuter Depression als auch während beschwerdefreier Phasen zum Einsatz, dann zur Vorbeugung. Zahlreiche Methoden werden angewandt, besonders bewährt hat sich der verhaltenstherapeutische Ansatz. Dabei lernt der Patient, seine Denk- und Verhaltensmuster zu analysieren und bewusst zu verändern. Auch wird während der Behandlung versucht, den Patienten zu mehr Aktivität zu motivieren. Das Vorgehen bei tiefenpsychologischer Therapie hingegen konzentriert sich auf die Einsicht in unbewusste Konflikte. Auch Angehörige von Depressiven können in Psychotherapien integriert werden.

Bei kurzen depressiven Episoden von leichter Ausprägung ist der Nutzen von Antidepressiva wissenschaftlich nicht gut belegt. Häufig ist in diesem Fall auch keine Psychotherapie notwendig. Stattdessen wird für einige Wochen das sogenannte watchful waiting praktiziert: Der Betroffene geht regelmässig zum Arzt, damit der in Gesprächen und Untersuchungen beobachten kann, wie sich das Empfinden des Patienten verändert.

Solche leichten Episoden können mit Johanniskraut behandelt werden. Dass es wirksamer ist als ein Placebo, ist inzwischen zwar belegt, aber der genaue Wirkmechanismus ist noch unbekannt.

Nach dem Abklingen einer mittelschweren oder schweren depressiven Episode sollten die Medikamente weiter über mehrere Monate eingenommen und die psychotherapeutische Behandlung noch länger fortgesetzt werden, um künftigen Episoden vorzubeugen.

Ausserdem: Beratung, Schulung in der Erkennung von Frühwarnzeichen, Anleitung zum Umgang mit erneut aufkommenden Symptomen bei besonders schweren Verläufen, die nicht auf die Kombination von Psychotherapie und hoch dosierten Antipressiva ansprechen, haben andere Ansätze Erfolg gezeigt: – bei der Lichttherapie sieht der Patient täglich direkt nach dem Aufstehen einige Minuten lang in helles Kunstlicht. Das Licht auf der Netzhaut bewirkt die Ausschüttung des Botenstoffes Melatonin, der Depressionen vermutlich entgegenwirkt.

Lichttherapie wird häufig kombiniert mit Wachtherapie in der Klinik. Dabei setzt sich der Patient einem teilweisen Schlafentzug aus, was etwa bei Depressiven ausgleichend auf das Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn wirken kann. In der Hälfte der Behandlungen kommt es am darauf folgenden Tag zu einer Verbesserung der Stimmung

Die Elektrokrampftherapie kann auch in solchen Fällen noch zu Erfolgen führen, bei denen alle anderen Methoden keine Wirkung gezeigt haben. Dabei wird unter Narkose durch elektrischen Strom am Schädel ein epileptischer Anfall herbeigeführt. Gelegentlich kommt es zu Beeinträchtigungen der Denkfähigkeit und des Gedächtnisses, die stets nur vorübergehend sind – auch eine vorübergehende Aufnahme in eine Klinik ist bei schweren depressiven Episoden oft notwendig. Im Krankenhaus können in der durchgehenden stationären Betreuung die häufig als unerträglich empfundenen Beschwerden gelindert und Selbstmordversuche verhindert werden.

HEILUNGSCHANCEN
Akut lassen sich depressive Episoden in der Regel gut behandeln. Trotz weitergeführter Behandlung auch nach der depressiven Phase kommen die Episoden in vielen Fällen wieder. Dann ist eine individuell abgestimmte Kombinationsbehandlung etwa aus Psychopharmaka und Psychotherapie notwendig, um den Patienten dauerhaft von seinen Symptomen zu befreien.

Autor: Christian Heinrich; Experte: Prof. Michael Deuschl