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Psychosen / Schizophrenie

Wenn Psychosen früh erkannt und dann richtig behandelt werden, ist ihre Prognose gut.

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ZAHLEN UND FAKTEN
«Psychose» ist der Oberbegriff für eine Vielzahl psychischer Störungen mit Verlust des Realitätsbezugs. Eine häufige und schwere Form sind schizophrene Psychosen. Mindestens 800 000 Deutsche erleiden mindestens einmal in ihrem Leben eine schizophrene Psychose, meist im Alter zwischen 18 und 30 Jahren.

Die Therapiekosten hierzulande werden auf bis zu neun Milliarden Euro jährlich geschätzt. Beide Geschlechter sind etwa gleich häufig betroffen. Männer erkranken etwas früher: Sie sind zwischen 23 bis 28 Jahre alt, Frauen hingegen 25 bis 30 Jahre.

Der Verlauf einer schizophrenen Psychose ist unterschiedlich, er reicht von einer einmaligen Episode bis zum chronischen Verlauf mit erheblichen Einschränkungen im Alltag.

URSACHEN/RISIKEN
Mehrere Faktoren wirken zusammen.

Neurobiologische Grundlagen
Durch genetische Eigenschaften, aber auch durch Umweltfaktoren, etwa einen Sauerstoffmangel bei der Geburt, kommt es zu einer Reifungsstörung des Gehirns. Damit ist seine Fähigkeit vermindert, belastende Situationen zu verarbeiten. Mediziner sprechen von einer sogenannten neurologisch bedingten Verletzlichkeit.

Psychische Belastung
Stress, traumatische Lebensereignisse, chronische umweltbedingte Situationen der Überforderung werden deshalb nicht adäquat bewältigt

Weitere Risikofaktoren
Städtisches Leben mit Lärm und Reizüberflutung, Migrationshintergrund, Cannabis-Missbrauch erhöhen das Risiko für eine schizophrene Psychose. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht dagegen hat keinen Einfluss auf das Risiko, zu erkranken.

SYMPTOME
Vorboten: Schon etwa fünf Jahre vor der Diagnose verändern sich häufig Stimmung, Erleben und Verhalten. Es kommt zum Rückzug von Familie und Freunden, zur Neigung zum Grübeln und zur Abnahme der Leistungsfähigkeit.

Im Rahmen einer akuten schizophrenen Psychose treten auf: Denkstörungen; depressive Stimmungslage bis hin zur Suizidalität; Wahn; Wahrnehmungsstörungen in allen Sinnen (besonders akustische Halluzinationen); Störungen des Ich-Erlebens mit dem Eindruck, Gedanken würden laut geäussert, entzogen oder eingegeben; Erregung oder auch starke Hemmung des Antriebs.

Generell besteht ein hoher Leidensdruck. Hilfe wird meist nicht selbstständig in Anspruch genommen, Motivation und Vermittlung durch andere sind nötig.

DIAGNOSTIK
Diagnosesicherung anhand definierter klinischer Leitsymptome wie Denkstörung, Wahn, Halluzinationen oder Durchlässigkeit des Ich-Erlebens, ärztliches Gespräch, allgemeine körperliche und spezielle neurologische Untersuchung – Laboruntersuchungen. Drogen-Screening und bildgebende Verfahren dienen zum Ausschluss anderer Ursachen, etwa einer Infektion

Wichtig: Eine frühe Diagnose und Behandlung können viel Leid und Komplikationen bis hin zum Suizid verhindern und verbessern nachdrücklich den weiteren Verlauf

THERAPIE
Sie beruht auf drei Säulen:
Arzneimitteltherapie: Sogenannte Antipsychotika sollen die psychotische Symptomatik reduzieren und einen Rückfall vermeiden. Sie beeinflussen die Übertragung von Informationen durch Botenstoffe im Gehirn, vor allem die von Dopamin und Serotonin. Wenn unerwünschte Wirkungen auftreten, muss die Medikamentengabe verändert und angepasst werden.
Psychoedukation: Betroffene und Angehörige lernen, die Erkrankung zu verstehen und mit ihr zu leben
Psychotherapie: Die kognitive Verhaltenstherapie zielt ab auf Wissensvermittlung, Training der Einschränkungen bei Denkprozessen, Stärkung der Alltagskompetenzen und der sozialen Bezüge, Aktivitätsaufbau und Stabilisierung der Stimmung.

Wissenschaftlich belegte Wirkungen haben auch Ergotherapie, soziale wie berufliche Rehabilitation und Reintegration, Entspannungsverfahren sowie Ernährungs- und Fitnessprogramme.

HEILUNGSCHANCEN
Sehr eindrückliche Symptome wie Wahnvorstellungen oder Stimmenhören können sehr gut behandelt werden. Probleme entstehen bei Rückfällen, etwa durch fehlende Therapietreue: Patienten setzen Medikamente bei Beschwerdefreiheit oder wegen unerwünschter Wirkungen zuweilen ab. Die Therapie der Einschränkungen im Denken, im Antrieb und in der Stimmung muss durch weitere Forschung verbessert werden.

Autorin: Ragnhild Schweitzer; Experte: Dr. Mathias Zink